Arbeit!?

Arbeit ist ein umfassendes Thema, denn alles was uns umgibt ist erarbeitet worden, Materie direkt, aber auch die soziale Wirklichkeit wurde durch Arbeit vergegenständlicht und hat sich evolutionär zur heutigen Situation entwickelt….
Der Ursprung des Wortes Arbeit liegt wohl einerseits im germanischen arba (= Knecht), andererseits wurde es in neuerer Zeit auch auf das Ur-wort arbejo an, das „bin verwaistes und daher aus Not zu harter Arbeit gezwungenes Kind“ bedeutet. Im Althochdeutschen bezeichnet es ‚Mühsal, Plage, Leid, Erdulden‘, ein eindeutig negatives, aber auch passives Wort.

Im 18/19 Jhdt. erfolgte eine terminologische Schärfung zur heutigen Bedeutung. Zu dieser Zeit wird Arbeit zu einem der zentralen gesellschaftlichen Faktoren. Lebendige Arbeit, die konkrete Tätigkeit wird im Produkt zur vergegenständlichten, toten Arbeit. Das sind dann zB. die Maschinen, die Produktionsmittel und auch das Kapital, als geronnene Arbeitskraft.
Die Tote Arbeit bestätigt und festigt die soziale Ordnung in der die Umwandlung stattgefunden hat,
Bsp wenn für einen privaten Kapitalisten produziert wird, gibt ihm dieser Reichtum auch wieder neue macht

Dabei bezeichnet Arbeit erstmal das, was ein Mensch tun muss um am Leben zu bleiben:
Karl Marx und Friedrich Engels
(Das Kapital Band I; Fünftes Kapitel; Arbeitsprozess und Verwertungsprozess. Unter 1. Arbeitsprozess ):
„Die Arbeit ist zunächst ein Prozess zwischen Mensch und Natur, ein Prozess, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als Naturmacht gegenüber. Die seinem Leib angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eigens Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigne Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Möglichkeiten und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eignen Willen“

Arbeit ist also die Verbindung zur materiellen Wirklichkeit, sie geht an die Basis des Menschen, deshalb bezeichnet auch Marx die Organisationsform und den Entwicklungsstand der Arbeit als gesellschaftliche Basis. Und nicht umsonst ist einer der prägnantesten Sätze des großen menschlichen Horrors, dem Holocaust, „Arbeit macht frei“.

Zusammen können die Menschen besser arbeiten, bzw. die Zusammenarbeit ist meistens die Vorbedingung für das Überleben überhaupt. → damit möchte ich nicht der Argumentation folgen, dass das Zusammenleben nur nötig ist, deshalb eher eine Bürde als ein Genuss ist, der Mensch ist ein grundsätzlich soziales Wesen, aber die gemeinsame Arbeit schafft eben eine zusätzliche tiefe Verbundenheit auf materieller Ebene.
Bei der Frage wie die Arbeit dann verteilt wird, da fängt dann der politische Aspekt an.

Erich Fromm lokalisiert, in seinem Buch „Anatomie der menschlichen Destruktivität“, die Herausbildung der Arbeitsteilung und der strukturellen Abhängigkeit des Einzelnen von zentralen Instanzen in den 2 Strom gebieten. In den Wiegen unserer Zivilisation trat zum ersten Mal der neue Zustand ein, dass nicht mehr nur genommen wurde was das Land gab, sondern das Land selbst wurde dem Willen des Menschen unterworfen. Trockenes Land wurde bewässert, Sümpfe trockengelegt. Dazu war ein komplexes System von Kanälen notwendig. Dieses System musste geplant und „verwaltet“ werden, außerdem wurde der einzelne Mensch von dieser Konstruktion „abhängig“, er war auf das Wasser aus den Kanälen angewiesen.

Ein Aspekt der weiteren Ausdifferenzierung der Arbeitsteilung ist die Einteilung in Produktion und Reproduktion, wobei letztere „traditioneller weise“ der Frau zugeschrieben wurde. Produktion bezeichnet dabei alles was etwas neues erschafft, die schöpferische Tätigkeit um Materie zu verändern. Reproduktion hingegen dient der Erhaltung des bestehenden, es wird versorgt geputzt und erhalten. Heute sehen Einige den Übergang zur sogenannten „immateriellen“ Arbeit. Dies bezeichnet einen neuen Typus der Arbeit mit Symbolen, Kommunikation und allgemein zwischenmenschlicher Dienstleistungen. Ein Beispiel dafür währen die kleinen Teams die durch die Leipziger Innenstadt laufen, nur dafür da um Auskunft zu geben und Menschen zu helfen sich zurechtzufinden. Das diese Jobs mit einem €uro bezahlt werden kann als typisch für diese Art der Arbeit angesehen werden.

Friedrich Engels: „Die Arbeit ist die Quelle alles Reichtums, sagen die politischen Ökonomen. Sie ist dies – neben der Natur, die ihr den Stoff liefert, den sie in Reichtum verwandelt. Aber sie ist noch unendlich mehr als dies. Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, dass wir in gewissem Sinn sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen.“

Durch Werkzeuggebrauch wurde der Mensch erst zu dem was er ist, laut Engels hat sich zB unserer Körper durch den Werkzeuggebrauch in eine entsprechende Richtung weiterentwickelt.
die Arbeit hat den Menschen also erst zu dem gemacht was er geworden ist.

Das ist dann auch die Überleitung zu „privater“ Tätigkeit, eigene „banale“ alltägliche Beschäftigungen sind auch Arbeit, in einer anderen sozialen Situation würden sie bezahlt werden.
Bsp. Kochen, putzen, auf Kinder aufpassen usw.

Ein wichtiger Aspekt scheint mir noch, das entgegen der weit verbreiteten Propaganda die Menschen in früheren Zeiten zwar total anders, nicht aber unbedingt mehr, eher weniger gearbeitet haben. Die Arbeitszeit im Mittelalter war wohl nicht länger als heute, natürlich ist der Vergleich aber schwierig. Unsere heutige extrem verdichtete Arbeit ist kaum mit der schweren körperlichen damaligen Arbeit vergleichbar, die auch viele Pausen nötig machte. Insgesamt kann man aber durchaus feststellen, dass durch die Vielzahl an Feiertagen die Jahresarbeitszeit in etwa der heutigen entsprach. Damit möchte ich nicht den heutigen 8 Stunden Tag naturalisieren, sondern eher darauf hinweisen, dass die Zeitersparnis der Technik wohl ein Mythos ist und auch wir verdammt ausgebeutet werden.
Auch das Leben vieler „Jäger und Sammler“ Kulturen glich keinesfalls einem 16 Stunden Tag, sondern war geprägt von Muße und Entspannung.

Die momentane Situation in der technologischen Gesellschaft ist, dass die notwendige Arbeit auch von relativ wenigen gemacht werden könnte. Dadurch gibt es viele Arbeitslose, womit eben auch gesellschaftliche Ächtung einhergeht, obwohl es ganz klar Kennzeichen der Leistungsfähigkeit des Systems ist, dass immer weniger Menschen arbeiten müssten.
Ein weiterer moderner Aspekt ist, dass auch die Menschen die nicht entfremdet arbeiten wollen oftmals, anstatt Essen anzubauen, es sich auch einfach aus dem Container holen, und es vor dem Wegwerfen bewahren.

DISKUSIONSINPUTS /GRUPPEN
1: Produktion vs. Reproduktion
Die Produktion hat sich gewandelt und umfasst neben der Reproduktion auch immer mehr sogenannte immaterielle Arbeit, reine „Nettigkeit“ bzw. Menschlichkeit wird verwertet und bezahlt.
Ist das ein progressiver Schritt, gar Richtung Grundeinkommen, werden mehr Tätigkeiten gewürdigt, gibt es mehr Möglichkeiten an das begehrte Geld ran zukommen? Oder eine weitergehende Entfremdung indem immer mehr Tätigkeiten in den Markt aufgesogen werden, also immer weniger umsonst gemacht wird…

2: heißt Selbstverwaltung das niemand arbeitet?
Niemand Verantwortung übernimmt? Die Verantwortung wird voll auf die Einzelnen abgewälzt, kann das gut gehen Muss nicht ein Übergang her, anstatt einfach keine Struktur anzubieten. Ist damit nicht die Gefahr da dass sich „gewohnte“ und das ganze leben ein geübte Mechanismen durchsetzen und so das neue vergiften? Brauchen wir also soziale Strukturen um die Verantwortlichkeit einzelner sinnvoll integrieren,Wie können solche Strukturen aussehen?

3:Arbeit vs. Freiheit
Wie kann ich frei sein, wenn ich arbeiten muss, mein Leben (selber) erhalten muss?
Oder kann ich mich durch Arbeit weiterentwickeln, zu dem werden was ich noch nicht bin? Hatte nicht die Arbeit auch erheblichen Anteil an der Entwicklung des Affen zum Menschen?

4: Arbeit ist Scheiße?
Konfrontiert mit der Forderung des Systems hart und lang zu arbeiten, kann da Arbeitsverweigerung ein Mittel der Emanzipation sein? Oder läuft die Abschaffung des Systems nur über die harte Arbeit an uns selbst und dem Aufbau neuer Strukturen?

ERGEBNIS:
Diskussionsinput NR 1 is leider auf kein Interresse gestossen, wurde also gar nicht behandelt.
Die anderen Gruppen haben sich in heftige Diskussionen gestürzt, die recht schnell zu Grundsatzdiskussionen über das kapitalistische System ausgwuchsen.

Veranstaltung zu Arbeit by AinLeipzig

Die „Arbeit ist Scheiße?“ Runde hat eine Ausnahme gemacht, dort wurde fleißigst gearbeitet und das kam heraus:

ARBEITSVERWEIGERUNG
mit „offizieller“ Arbeit beflecke ich meine Hände mit Blut
Die Arbeitsmaschine ist ohne Zukunft- diese soll sich ohne mein Zutun zersetzen
Arbeit begrenzt die Freiheit und schafft die Basis für gegenseitigen Hass
Existenz-schwinden durch unkontrollierbares arbeiten
Vergiftung der eigenen Gedanken
schulische Lohnfortzahlung- alle Zeit der Welt zum lernen um sich dann zu entscheiden ob/was „arbeiten“
Hass auf die Routine
Ich will meine Existenzberechtigung nicht erst verdienen müssen
Abschaffung des allgemeinen Besitzes, auch für den Staat
grundlegende Veränderungen müssen stattfinden:
keine Zeitverschwendung fürs momentane System
Arbeit ist Zwang, Leben ist freiwillig!


3 Antworten auf „Arbeit!?“


  1. 1 tee 25. April 2010 um 3:30 Uhr

    Arbeit ist also die Verbindung zur materiellen Wirklichkeit, sie geht an die Basis des Menschen, deshalb bezeichnet auch Marx die Organisationsform und den Entwicklungsstand der Arbeit als gesellschaftliche Basis. Und nicht umsonst ist einer der prägnantesten Sätze des großen menschlichen Horrors, dem Holocaust, „Arbeit macht frei“.

    wo is‘n da jetzt die verbindung?

  2. 2 ainleipzig 05. Mai 2010 um 21:34 Uhr

    Na ein bischen allgemeiner gedacht.
    Der Bezug auf Arbeit kommt überall vor, ist prägnant weil prägend und so weiter.
    Ich wollts einfach erwähnt haben, weil es mich schon ziemlich fasziniert/gruselt.

    zufrieden?

  3. 3 tee 19. Oktober 2010 um 18:15 Uhr

    ok.

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